Überflutete Straße in einer Stadt

So schützt du dich vor Starkregen und Hochwasser

Die durch den Klimawandel stetig ansteigende Temperatur der Erdatmosphäre hat Auswirkungen auf Starkregen- und Hochwasserereignisse wie wir sie im Sommer 2021 in Nordrhein Westfalen und Rheinland Pfalz erlebt haben. Denn bei höheren Temperaturen kann die Luft mehr Wasser aufnehmen und daraus folgt eine Zunahme von Niederschlagsmenge und -dauer. 

Die Zahl der Starkregenereignisse habe nach dem Katalog des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der die Regenmengen in Deutschland statistisch erfasst, in den vergangenen Jahren zugenommen. 

Problematisch sei der Starkregen vor allem in baulich versiegelten Gebieten, wie Großstädten und Ballungsgebieten, wo Wasser nur schlecht abfließen und versickern kann.

 

"Starkregen kann jeden treffen! Und dieses Problem wird sich in einer heißeren Zukunft weiter verschärfen. Es ist deshalb dringlich zu handeln - und das ist möglich!"

Tobias Fuchs, Leiter Klima und Umwelt im Deutschen Wetterdienst



Starkregen über einem Spielplatz
©  v_zaitsev / Getty Images / iStock­photo

Im Folgenden findest du wichtige Hinweise und Empfehlungen, wie du Dich, Deine Familie und Dein Eigentum vor Hochwasser schützen kannst und wie du Dich verhalten solltest, wenn ein Hochwasser eintritt.

 

 

1. Vorbereitung auf Hochwasser

 

Vorsorge 

Damit es gar nicht erst zu massiven Schäden kommt, können sich bauliche Maßnahmen lohnen. Dafür sollte man am besten zunächst eine Bestandsaufnahme machen:

  • Wo liegen die Schwachstellen des Hauses?
  • Steht es beispielsweise an einem Hang, sodass sich bei Starkregen Wassermassen sammeln und hineinlaufen würden?
  • Gibt es Makel am Dach oder an der Bausubstanz?

Das Hochwasser Kompetenz Centrum (HKC) hat einen Fragebogen entwickelt, der bei einer ersten Einschätzung helfen kann.

Zu möglichen baulichen Vorsorgemaßnahmen gehört unter anderem die Abdichtung des Kellers (Kellerfenster), die Anbringung von Schutzelementen an Türen und Fenstern sowie der Vorrat an ausreichend Sandsäcken oder Jutesäcke mit Superabsorber zum Hochwasserschutz. Es kann sich auch lohnen, mobile Hochwasserschutzwände anzuschaffen.

Weitere Tipps des HKC für hilfreiche Baumaßnahmen:

  • Bodensenken installieren (je nach Grundstücksbeschaffenheit). Wasser kann sich so auf dem Grundstück verteilen und großflächig versickern.
  • Barrieresysteme, zum Beispiel Bodenschwellen schaffen. Das gilt insbesondere für Gebäude, die in Senken liegen.
  • Regelmäßig Regenrinnen und -rohre reinigen.
  • Rückstausicherung gegen aus der Kanalisation eindringendes Wasser einbauen.

 Hochwasserbarriere an einer Tür

© Marko Beric / Getty Images / iStock­photo

 

Warnmeldungen und Planung

Es ist wichtig sich immer auf dem Laufenden zu halten. Am besten über die Warnapp NINA, Rundfunk oder Internet. Informationen zu aktuellen Hochwasserständen finden Sie bei den Die Hochwasserzentralen der Länder geben zusätzlich sehr genaue Informationen zu den aktuellen Hochwasserständen in deiner Region. Einige Kommunen bieten auch Starkregengefahrenkarten online an.

Um gut vorbereitet zu sein, solltest du dir frühzeitig Gedanken machen über:

  • die Versorgung Kranker oder Hilfebedürftiger. Können diese Personen rechtzeitig aus der Gefahrenzone evakuiert werden? Wohin?
  • die Evakuierung von Haustieren.
  • die Möglichkeiten, sich mit Nachbarn oder anderen zu besprechen, wenn Telefon und Mobilfunk ausfallen. Sprechen Sie mit Nachbarn Not- und Gefahrenzeichen ab.
  • die „Rollenverteilung“ für den Notfall. Wer macht was, wenn eine Überschwemmung eintritt?

 

NINA Warn App

 

 

Hochwasser steht bevor

Wenn Starkregen oder ein Hochwasser angekündigt wurde, dass deine Region betrifft, ist es Zeit zu handeln.

  • Sandsäcke, Bretter, wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon zum Schutz besorgen
  • Gefährliche Stoffe oder Chemikalien sichern, so dass diese nicht vom Wasser erreicht werden können
  • Wertvolle Möbel oder Geräte wie Computer etc. in obere, hochwassergeschützte Räume bringen
  • Heizöltank gegen den Auftrieb durch das Wasser sichern (Verankerung in Wand oder mit Ballast beschweren)
  • Kellerräume, die volllaufen können, ausräumen
  • Bringe Kinder, Senioren und Kranke vor Eintritt der Gefahr in Sicherheit
  • Fahrzeuge ggf. umparken bzw. aus Gefahrenzone bringen
  • Überprüfe deine Vorsorgemaßnahmen. Hast du alles nötige im Haus? 
    • ausreichend Lebensmittel und Trinkwasser
    • Radio (batterie- oder kurbelbetrieben)
    • Taschenlampe
    • Campingkocher
    • Dokumentenmappe
    • Notgepäck

 Sandsäcke vor einem Haus als Hochwasserschutz

© annavaczi / Getty Images / iStock­photo

2. Verhalten bei Hochwasser

Ganz wichtig, bewahre Ruhe und handle überlegt. Je nachdem, wo du dich gerade befindest, solltest du die folgenden Punkte beachten.

 

Im Haus

  • Überprüfe ggf. Rückstauklappen im Keller bevor das Wasser gestiegen ist.
  • Halte dich während des Hochwassers nicht im Keller auf, das ist lebensgefährlich!
  • Fenster und Türen sowie Abflussöffnungen abdichten.
  • Schalte elektrische Geräte und Heizungen in Räumen, die volllaufen können, ab. Denke an die Stromschlaggefahr! Schalte den Strom ggf. komplett aus (Sicherung raus).

 

Im Auto

  • Fahre dein Auto rechtzeitig aus gefährdeten Garagen oder von Parkplätzen.
  • Achtung! Tiefgaragen können bei Hochwassergefahr zu tödlichen Fallen werden.
  • Fahre nicht durch überflutete Straßen. Wasser im Motorraum kann zu großen Schäden führen. 
  • Lass dein Fahrzeug stehen, wenn es bis über die Räder im Wasser steht.

 

Helfe anderen

  • Helfe anderen Personen, aber bringe dich nicht selbst in Gefahr.
  • Uferbereiche nicht betreten, da Gefahr von Unterspülungen und Abbrüchen.
  • Überflutete oder teilüberflutete Straßen dürfen nicht befahren werden.
  • Hochwasserführende Gewässer nicht mit Privatbooten befahren.
  • Beachte unbedingt die Anweisungen und Absperrungen der Einsatzkräfte.

 

Überflutete Straße bei Hochwasser
© asafaric / Fotolia.com

3. Nach dem Hochwasser

  • Erst mit Abpumparbeiten im Haus beginnen, wenn der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist. 
  • Weiterhin Informationen der Gemeinde und Einsatzkräfte beachten.
  • Bestandsaufnahme vornehmen und alle Schäden für die Versicherung fotografieren.
  • Wasserreste und Schlamm aus dem Haus räumen.
  • Räume so schnell es geht trocknen, um Bauschäden oder Schimmel zu vermeiden. Nutze Heizgeräte für das Trocknen. 
  • Elektrik, Heizöltanks und ggf. auch die Baustatik durch Fachleute überprüfen lassen.
  • Wenn Schadstoffe wie Farben, Lacke, Pflanzenschutzmittel, Benzin, Öl etc. freigesetzt wurden, die Feuerwehr rufen.
  • Schmutzige, kaputte Möbel sowie verdorbene Lebensmittel und kontaminierte Sandsäcke gehören nicht einfach in den Hausmüll, sondern müssen fachgerecht entsorgt werden.

 Aufräumarbeiten nach Hochwasser

© Aktion Deutschland Hilft

 

Wir hoffen du bist mit diesem Informationen gut auf ein mögliches Hochwasser vorbereitet. Im Notfall immer beachten: Schütze immer zuerst dein Leben und das Leben deiner Mitmenschen, Sachwerte sind zweitrangig.

 

Dein Team von BAG 2 SAFE

 

 

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Quellen:
BBK - Vorsorge und Verhalten bei Hochwasser
DWD - Pressekonferenz "Anpassung an den Klimawandel" (Tobias Fuchs, Leiter Klima und Umwelt)
BMI - Hochwasserschutzfibel
Hochwasser Kompetenz Centrum e.V.
FAZ - Artikel "Starkregenfälle könnten künftig deutlich zunehmen"
Bayerisches Landesamt für Umwelt - Checkliste: So schützen Sie sich vor Hochwasser
Berliner Morgenpost - Artikel "Vorsorge - So kann man sich vor Hochwasser schützen"

Copyright Hauptbild: Animaflora PicsStock / stock.adobe.com

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